VU Person klemmt
 

 

 

03.08.2004 Müssen

Was ist nur auf den Straßen im Kreisgebiet los? Am Dienstagabend kam erneut ein Mensch bei einem schweren Unfall ums Leben. Es ist bereits der sechste Verkehrtote in nur 16 Tagen. Die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei können sich die vielen schweren Unfälle zurzeit nicht erklären. Während drei Motorradfahrer in Ratzeburg, Geesthacht und
Brunstorf jeweils wegen eigener oder anderer Unachtsamkeit verunglückten, ist die Ursache für die drei toten Autofahrer in Dassendorf, Nusse und Müssen offenbar jeweils unangepasstes Tempo. "So eine Serie wie in den letzten Tagen habe ich in meiner langen Dienstzeit noch nicht erlebt", meinte ein Polizist. Besonders schlimm: Fünf der sechs Opfer waren durch die Unfälle bereits so schwer verletzt, dass sie noch an den Einsatzstellen starben oder bei Eintreffen der Retter bereits tot waren.

Der jüngste Unfall der dunklen Serie passierte am Dienstagabend gegen 20.05 Uhr auf der Strecke von Grabau bei Schwarzenbek nach Müssen. Ein 24 Jahre alter Mann aus Müssen war auf dem Weg nach Hause. Auf die Warnschilder und das wegen Rollsplitt im Zuge von Fahrbahnausbesserungsarbeiten geltende Tempolimit von nur 40 Stundenkilometern außerhalb der Ortschaften kümmerte sich der Mazda-Fahrer nach Polizeiangaben nicht.

Mit viel zu hoher Geschwindigkeit raste der 24-Jährige über die Straße. In einer leichten übersichtlichen Links-Rechts-Kurvenkombination verlor der junge Mann dann jedoch auf der durch kleine Steinchen rutschigen Fahrbahn die Kontrolle über seinen Kleinwagen. Nur weniger Meter von seinem Zuhause entfernt.

Auf knapp 100 Metern zog sich schließlich eine Brems- und Schleuderspur über die beiden Spuren der Straße und den angrenzenden Grünstreifen. Genau mit der Fahrertür raste der Mazda dann gegen eine Eiche am Straßenrand. Der nur rund 30 Zentimeter dicke Baum stauchte den Wagen völlig zusammen. Die Innenseite der Fahrertür wurde bis an die Mittelkonsole gedrückt, der Fahrersitz rutschte über den Beifahrersitz. Um den Fahrer zu retten, eilten Feuerwehrleute aus Müssen und Schwarzenbek mit fünf Fahrzeugen sowie ein Rettungswagen aus Lanken und der Notarzt aus Geesthacht an die Unfallstelle. Doch schnell war klar - dem Fahrer konnte nicht mehr geholfen werden. Tot hing er in seinem Wagen, der sich regelrecht um den Eichenstamm gewickelt hatte.

 

Die Feuerwehrleute mussten nach der Todesfeststellung des Eingeklemmten durch den Notarzt sämtliches Spezialgerät einsetzen, um die Leiche aus dem völlig zerstörten Wagen bergen zu können. Nachdem der Wagen zwischen den Achsen so weit geweitet war, dass er wieder um den Baum passte, wurde das Wrack mit der Seilwinde des Schwarzenbeker Rüstwagens vom Stamm gezogen.

Der Unterboden des Mazda war durch die Wucht des Aufpralls aufgeplatzt. Mit mehreren hydraulischen Rettungszylindern, Scheren und Spreizern musste das Auto dann geöffnet werden, ehe der Fahrer geborgen werden konnte.

 

Nach gut einer Stunde war der Einsatz auf der Landstraße bei Müssen beendet. Polizisten mussten den Eltern des 24-Jährigen die schlimme Nachricht seines Todes überbringen. Die Retter der Feuerwehr hoffen jetzt, dass die Serie der schweren Unfälle bald zu Ende ist. "So kann es eigentlich nicht mehr weitergehen. Die ersten Monate des Jahres war es vergleichsweise ruhig. Da hatten wir schon gedacht, die Serie, dass wir regelmäßig auf den Bundesstraße um Schwarzenbek oder der Autobahn 24 bei schweren Unfällen auf Tote treffen, sei endlich vorbei", erklärt Schwarzenbeks Wehrführer Martin Schröder. "Und nun im ganzen Kreis so eine Serie in so kurzer Zeit", sagt
Schröder und schüttelt den Kopf.