VU LF 16 FF Talkau
 

 

 

15.12.2004 BAB 24

 

Bei einem spektakulären Unfall auf der Autobahn 24 sind ausgerechnet Frauen und Männer zu Opfern geworden, die eigentlich selbst an einer anderen Unfallstelle helfen wollten. Fünf Feuerwehrleute aus Talkau wurden gegen 8.30 Uhr zum Teil schwer verletzt, als ihr Löschfahrzeug von einem anderen Wagen gerammt und von der Autobahnauffahrt gedrückt wurde. Es entstand ein Schaden von knapp 200.000 Euro, die Autobahn war bis zum Nachmittag in beiden Richtungen bei Talkau und Hornbek zeitweise voll gesperrt.


Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Talkau, die Einsätze bei schlimmen Unfällen auf der gefährlichen Autobahn gewohnt sind, waren ausgerückt, um einen möglicherweise eingeklemmten Lastwagen-Fahrer zu retten. Der 33-Jährige war mit seinem Möbellaster bei Hornbek Richtung Hamburg unterwegs, nach Angaben der Autobahnpolizei aus noch ungeklärten Gründen, von der Fahrbahn abgekommen. Der Laster legte sich abseits der Fahrbahn quer. Da die Unfallfolgen zunächst unklar waren, wurde vorsorglich auch die Feuerwehr Talkau alarmiert. Die Kameraden forderten umgehend Verstärkung aus Elmenhorst an.

Als die Talkauer um 8.31 Uhr mit ihrem Löschfahrzeug auf die Beschleunigungsspur Richtung Berlin fuhren, kam von hinten verbotenerweise auf dem im Auffahrtbereich aufgehobenen Standstreifen, so die Polizei, ein 20-Jähriger mit einem Mercedes Kleintarnsporter samt Anhänger. Der weiße Transporter rammte das Feuerwehrauto an der Vorderachse, so dass dessen Fahrer die Kontrolle verlor. Das Löschfahrzeug geriet auf den weichen Grünstreifen rechts neben der Auffahrt und stürzte um. Die Retter meldeten der Leitstelle ihren eigenen Unfall noch über Funk, schnell konnten zusätzliche Einsatzkräfte alarmiert werden. Zuerst vor Ort waren die Kameraden der Elmenhorster Wehr um Michael Wittkamp, die bereits mit auf der Anfahrt zur ersten Unfallstelle waren.

 


Wittkamp und die anderen Elmenhorster betreuten die Kameraden aus Talkau, die sich selbst befreien konnten, versuchten dann, den teilweise eingeklemmten Kameraden (35) aus dem Mannschaftsraum zu befreien. Zwischenzeitlich landete der SAR-Rettungshubschrauber auf der Autobahn.

In Absprache mit den Ärzten forderten die Feuerwehrleute dann noch Kollegen aus Schwarzenbek an. Dort verfügt man neben der Drehleiter auch über eine Abseilausrüstung. Der 35-Jährige konnte in dieses Seil- und Gurtsystem eingebunden und am Korb der Drehleiter vorsichtig aus der nach oben ragenden Tür herausgehoben werden.

     
 

Mit dem Hubschrauber wurde er anschließend in das Unfallkrankenhaus nach Hamburg-Boberg geflogen. Der Fahrer des Kleintransporters und vier weitere Feuerwehrleute wurden bei dem Zusammenstoß leicht verletzt.


"Wenn man an so eine Unfallstelle kommt, an der eigene Kameraden verunglückt sind, ist man zunächst immer erst einmal geschockt, obwohl man sich auf der Anfahrt schon auf die Situation vorbereiten kann", berichtet Kreiswehrführer Hugo Heitmann. Er war umgehend ausgerückt, als er von dem Unfall erfahren hatte. Heitmann: "Trotz der schlimmen Situation lief der Einsatz zur Rettung des Kameraden ruhig und sicher ab." Die vielen Übungen der Schwarzenbeker Feuerwehrleute mit ihrem Abseilsystem, das bisher noch nie im Ernstfall eingesetzt wurde, hatte sich ausgezahlt.


An der eigentlichen Unfallstelle war die Feuerwehr schließlich gar nicht erforderlich, da der Lastwagen-Fahrer und sein in der Koje schlafender Kollege nicht eingeklemmt waren. Für die Bergung des Möbellasters rückten um 13 Uhr Spezialfahrzeuge an. Richtung Berlin war die Autobahn gegen 11 Uhr wieder frei. In Talkau muss jetzt ein neues Löschfahrzeug angeschafft werden. Zunächst übernehmen die Elmenhorster die Hilfeleistung bei Unfällen. "In den vergangenen Wochen hatten wir gleich mehrere Unfälle mit Lastwagen", berichtet Jürgen Pees von der Autobahnpolizei. Das sei aber nicht auffällig viel, sondern eher das Normalmaß. "Es war davor eher auffällig ruhig", erklärt Pees.


Die Feuerwehr-Unfallkasse (FUK) in Kiel hatte gleich einen Mitarbeiter zur Einsatzstelle geschickt. "Dort sind wir gut versichert, bei Unfällen im Einsatz werden alle anfallenden Kosten übernommen", erklärt Heitmann. Um die Kameraden auch psychologisch nach dem Unfallschock zu betreuen, waren die Seelsorger des Kreisfeuerwehrverbandes um Hinrich Jansen-Dittmer aus Breitenfelde mit im Einsatz. Zuletzt hatten Feuerwehrleute aus Lauenburg vor zwei Jahren einen schweren Unfall. Den Rettern war damals während einer Fahrt zur Ausbildung ein Betrunkener frontal ins Tanklöschfahrzeug gerast.