Person unter Zug
 
 

 

20.07.2005 Bahnstrecke Berlin - Hamburg

Viereinhalb Stunden waren die Schwarzenbeker Feuerwehrmänner in der Nacht zum Donnerstag im Sachsenwald im Einsatz. Dort wurde ein unbekannter Mann gleich zwei Mal von derselben Regionalbahn überrollt und regelrecht zerfetzt. Leichenteile mussten eingesammelt, nachrückende Kräfte der Polizei und Kripo an den Unglücksort gelotst und die Unfallstelle für die aufwändige Spurensicherung ausgeleuchtet werden. 18 Kameraden waren mit dem MZF, dem HLF, dem RW und dem GW-N vor Ort.


Der Unbekannte wurde von einer Regionalbahn erfasst, die auf dem Weg nach Aumühle war. Deren Zugführer bemerkte zwar einen kurzen Ruck, dachte aber nicht an einen überfahrenen Menschen. Als er wenig später zurück nach Schwarzenbek fuhr, entdeckte er im Scheinwerferlicht den regelrecht zerfetzten Körper. Daraufhin musste er von den First Respondern des DRK-Ortsvereins betreut werden. Die alarmierten Feuerwehrleute entdeckten daraufhin zuerst auf dem Zufahrtsweg abseits des Gleises den vom Körper abgetrennten Kopf des Mannes. Er war offenbar beim ersten Kontakt mit der Bahn bereits gestorben. Wer der Mann ist und was er mitten in der Nacht an dem schwer zugänglichen Gleisabschnitt im Waldbereich "Stangenteich" wollte, konnte die Kripo nach Angaben von Thomas Holst, dem stellvertretenden Kripochef aus Geesthacht, bisher nicht klären.


"Dieser Fall zeigt wieder, wie schnell am Gleis etwas passieren kann", sagt der stellvertretende Wehrführer Berend Langeloh. Bei einer Vielzahl von Verletzten und komplizierten Rettungen nach einem Eisenbahnunglück fürchtet die Feuerwehr Probleme im Sachsenwald. Nur ein schmaler Weg, der noch aus der Zeit des Streckenausbaus 2004 stammt, ermöglichte vergangene Nacht die Zufahrt zur Einsatzstelle. "Um viele Fahrzeuge von Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei bei einem größeren Unglück an die Unfallstelle zu bekommen, würde das kaum reichen", warnt Langeloh. Er hofft, dass der Weg erhalten wird und nicht unbeachtet zuwachsen kann. "Im Ernstfall müsste man den Bereitstellungsraum auf den Parkplätzen an der B 404 organisieren und die Kräfte von dort gezielt in den Wald einfahren lassen. Hier könnte nur eine Einbahnstraßenregelung funktionieren, sonst würde schnell gar nichts mehr laufen", so Langeloh.


Die Feuerwehr hofft, dass die Verantwortlichen auf die Warnung reagieren und die Erreichbarkeit des Gleises an allen Abschnitten ermöglichen. Wenn es zu einem Unglück wie mit dem ICE in Eschede kommen würde, hätte man im Sachsenwald und im Richtung Müssen nicht so wie damals optimale Möglichkeiten, die Einsatzstelle auf einem freien Feld einzurichten.