Türöffnung
 
 

 

17.05.2005

Grausige Entdeckung in einem Mehrfamilienhaus am Pirschgang in Schwarzenbek: Feuerwehrmänner entdeckten dort am Dienstagabend einen teilweise verwesten 56-Jährigen. Der Mann war irgendwann in den vergangenen Wochen gestorben. Niemand hatte es gemerkt. Doch langsam machten sich die Nachbarn in der Forsthof-Siedlung jetzt Sorgen, informierten den Hausmeister und die Polizei, die wiederum durch die Feuerwehrmänner die Wohnung öffnen ließ. "Im Treppenhaus war von der Verwesung nichts zu riechen, die Tür war vollkommen dicht", berichtet Feuerwehr-Zugführer Thorsten Bettin. Immer wieder müssen Feuerwehrleute mittlerweile auch im Lauenburgischen Wohnungen öffnen, finden dahinter Leichen. In Schwarzenbek zuletzt 2004, als an der Kollower Straße in einer zugemüllten Wohnung ein Toter gefunden wurde. "Ein Zeichen wachsender Anonymität in der Gesellschaft", meint Wehrführer Martin Schröder.


"Die Menschen sollten mehr aufeinander achten. Die Nachbarn sollten sich auch gegenseitig informieren, wenn sie verreisen. Dann gibt es keine Irritationen", erklärt Axel Funck, der Leiter der Schwarzenbeker Polizeizentralstation. Und man sollte seine Telefonnummer erreichen. "Ein Handy hat doch heute jeder", sagt Funck.


Die Nachbarn am Pirschgang hatten sich gekümmert. Sie holten Post und Zeitungen aus dem überquellenden Briefkasten, recherchierten sogar im Internet an früheren Reisezielen, ob Christian W. dort als Gast war. Alles vergeblich. Was hinter den Fenstern mit dem zugezogenen Rollo im Erdgeschoss passiert war, ahnten sie nicht. "Das ist so traurig", sagt eine Nachbarin von weiter oben. Sie habe sich schon Sorgen gemacht, räumt sie ein. "Aber man ruft ja nicht gleich die Polizei." Nach Gesprächen mit der direkten Nachbarin aus dem Erdgeschoss war man sich am Dienstagabend einig, endlich die Polizei zu informieren. Erst im Dezember war die Mutter von Christian W. gestorben, seit dem hatte der arbeitslose Verkäufer zurückgezogen gelebt. "Manchmal sieht man sich auch eine Woche nicht, das ist in so einem Haus nicht ungewöhnlich", sagt ein Nachbar aus dem zweiten Stock.


Früher war Christian W. oft zwei Wochen lang mit seiner Mutter verreist, zuletzt, so Nachbarn, war er über Ostern allein bei Verwandten in Dresden. Doch mindestens seit Ende April hat den 56-Jährigen niemand mehr im Pirschgang gesehen. "Zur Klärung, woran der Mann gestorben ist, und zur sicheren Identifizierung wird es wohl auf Anordnung der Staatsanwaltschaft eine Obduktion geben", erklärt Geesthachts Kripochef Lothar Funck. Für die Beamten ist es zunächst ein "ganz normaler Todesfall", so Funck, wie sie ihn mehrmals die Woche haben. Anzeichen für eine Straftat gebe es nicht. Da allerdings die Todesursache unklar ist, werden automatisch Kripo-Ermittler eingeschaltet.