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04.08.2006 Am Hainholz

In einer Schwarzenbeker Wohnung ist erneut eine mumifizierte Leiche gefunden worden. Feuerwehrmänner entdeckten die tote Frau am Sonnabend, nachdem sie durch ein Fenster auf Bitten der Polizei in die Dachgeschosswohnung Am Hainholz eingestiegen waren. Vermutlich starb die 64-Jährige an einem zu hohen Blutzuckerwert. Allerdings merkten die Nachbarn wochenlang nicht, dass nebenan eine Leiche lag.


Erst im Mai wurden ebenfalls in Schwarzenbek Am großen Schmiedekamp zwei Tote in einer verwahrlosten Wohnung entdeckt. Offenbar hatte ein Teil des Paares trotz des toten Partners noch längere Zeit in der Wohnung gelebt. Am Pirschgang starb 2005 ein Mann und blieb über Wochen unendteckt. Ebenso erging es einem Mann an der Kollower Straße, den Einsatzkräfte 2004 in seiner völlig vermüllten Wohnung entdeckt hatten. "Das ist traurig, aber offenbar kommt das in unserer Gesellschaft heute immer öfter vor. Viele Menschen leben nur noch anonym vor sich hin und kümmern sich zu wenig um die Nachbarn", berichtet Sonja Kurz, die Sprecherin der Polizeidirektion Ratzeburg.


Nachbarn aus dem Grillengrund hatten hatten sich am Sonnabend gegen 17 Uhr um die 64-Jährige gesorgt. "Das eine Fenster stand längere Zeit offen, und als es der Wind jetzt ganz aufgeweht hat, konnten wir sehen, dass alle Blumen völlig vertrocknet sind", sagte eine Nachbarin. Sie klingelte in dem Mehrfamilienhaus, entdeckte dann mit Bewohnern, dass der Briefkasten der 64-Jährigen vollgestopft ist. Die Polizei wurde informiert.


"Wir sind über eine Drehleiter und das geöffnete Fenster in die Wohnung gelangt. Gleich unter dem Fenster lag die Leiche", berichtet Feuerwehr-Einsatzleiter Torsten Bettin. Ein Arzt stellte offiziell den Tod fest, die Kripo hat die weiteren Ermittlungen übernommen. "Ich habe die Frau fast nie gesehen", rechtfertigte sich eine Nachbarin aus dem Dachgeschoss gegenüber der Polizei. Den Leichengeruch und die vielen Fliegen hinter den Fenstern der betroffenen Wohnung hatten offenbar niemand aus dem gepflegten Mehrfamilienhaus registriert.


Die Polizei bittet die Menschen, mehr aufeinander zu achten. "Gerade wenn alte oder kranke Menschen in der Nachbarschaft leben, sollte man ab und zu mal klingeln und fragen, wie es denn so geht", sagt Sonja Kurz. Auch ein überfüllter Briefkasten oder plötzlich ausbleibende Gewohnheiten sind oft ein Anzeichen, dass etwas passiert sein könnte. Dann nicht zögern und die Polizei informieren, die dann ermittelt, so Kurz.