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20.06.2011 Am Bahnhof



Alarm im Regional-Express der Deutschen Bahn: Am Sonntagabend gegen 21.30 Uhr mussten der Rettungsdienst aus den Kreisen Lauenburg und Stormarn, die Freiwillige Feuerwehr Schwarzenbek und die Polizei mit einem Großaufgebot im Bahnhof von Schwarzenbek anrücken, nachdem zahlreiche der 150 Fahrgäste des Zuges auf dem Weg von Hamburg nach Rostock in Höhe des Sachsenwaldes plötzlich über Atemnot geklagt hatten. Beißender Qualm einer offenbar heiß gelaufenen defekten Bremsanlage war in die Waggons gezogen und hatte den Passagieren die Luft zum Atmen geraubt.

„Zum Glück entspannte sich die Lage relativ schnell“, erklärte Norbert Brackmann, der Organisatorische Leiter des Rettungsdienstes. Mehr als 100 Helfer waren zur Versorgung der zunächst 150 Betroffenen angerückt. Brackmann: „Wir mussten dann aber nach einer Sichtung der Fahrgäste doch nur drei Verletzte in die Krankenhäuser bringen.“

Der Regional-Express war planmäßig um 20.30 Uhr am Hamburger Hauptbahnhof abgefahren. „Etwa in Höhe Wohltorf habe ich zum ersten Mal den Gestank wahrgenommen.“, berichtete Volker K. Der 68-Jährige aus Schwarzenbek war einer der Passagiere im Zug. „Es roch wie eine angezogene Handbremse am Auto, mit der man fahren würde, sagte er.

Fahrgäste informierten die Zugbegleiterin, die sich gerade in der 1. Klasse aufhielt. Die meldete den Zwischenfall dem Zugführer. Der stoppte den Regional-Express daraufhin im Sachsenwald. „Da konnten wir dann etwas Luft schnappen, ehe der Zugführer die Fahrt fortsetzte“, sagte K. später. Die Entscheidung des Zugführers sorgte dafür, dass die alarmierten Rettungskräfte im Schwarzenbeker Bahnhof einen optimalen Zugang zu den Waggons hatten. „Im Sachsenwald ist das Erreichen eines Zuges nur sehr schwer möglich“, erklärte Feuerwehrchef Martin Schröder.

So konnten die Retter die Betroffenen auf dem Bahnsteig sichten und schließlich drei Verletzte mit Rettungswagen in Krankenhäuser bringen. Nur diesem besonnenen Verhalten des Lokführers ist es offenbar zu verdanken, dass der Zwischenfall im Regional-Express für die meisten Fahrgäste glimpflich ablief. Der 52-Jährige fuhr den Zug aus dem Sachsenwald bis in den Schwarzenbeker Bahnhof, hielt dort auf Gleis 4. So war es den Passagieren möglich, den verqualmten Zug sicher zu verlassen und auch die Rettungskräfte hatten so einen vernünftigen Zugang.

„Außerhalb des Bahnhofs ist es sehr schwierig, einen Zug zu erreichen“, erklärte Schröder. „Viele der Wege sind, gerade nach den starken Regenfällen der vergangenen Tage, im Wald kaum vernünftig befahrbar, so dass wir benötigtes Gerät im Notfall kaum direkt ans Gleis bringen können“, so der Wehrführer. Als am 2. Juni 2008 in einem Intercity in Höhe des Schwarzenbeker Klärwerks ein Feuer in einer Lok ausgebrochen war, mussten die Retter auf dem Weg zur Einsatzstelle durch ein Getreidefeld anfahren und die Schwarze Bek notdürftig überbrücken. Schröder: „Einsätze am und auf dem Bahngleis sind immer eine besondere Herausforderung.“

So sieht es auch Norbert Brackmann, der Organisatorische Leiter des Rettungsdienstes. „Wir hätten, wäre der Zug im Sachsenwald stehen geblieben, sicher weite Strecken durch den Wald zu Fuß zurücklegen müssen“, sagte er. Viele Rettungsfahrzeuge haben keinen Allradantrieb, ohne den auf den aufgeweichten unbefestigten Waldwegen kein fahren möglich wäre. Der Zugführer hatte seinen Zug zunächst mitten im Sachsenwald gestoppt, um nach der Ursache der Rauchentwicklung zu suchen. „Einige Fahrgäste sind dann ausgestiegen, weil sie keine Luft mehr bekommen hatten“, berichtete Volker Klemmer. „Ich hatte Angst, dass wir da bei der Weiterfahrt Reisende vergessen könnten, es gab ja keine vernünftigen Informationen“, sagte der Schwarzenbeker. Ungefährlich waren der Nothalt und der Ausstieg für die Passagiere wegen des weiteren Zugverkehrs auf dem zweiten Gleis nicht. Doch wie durch ein Wunder ist niemandem etwas passiert. „Die zuerst eingetroffenen Rettungsassistenten fanden die Ausgangslage vor, dass es 150 Betroffene in den Waggons des Regional-Expresses geben würde“, berichtete Brackmann. Deshalb lösten sie Großalarm aus.

„Es war so richtig stinkender blauer Dunst in die Waggons gezogen“, erklärte Benyamin S. Der 22-Jährige war mit dem Regional-Express unterwegs nach Rostock. „Die Stimmung im Zug war beängstigend, wir wussten ja nicht, woher der heftige Rauch kam“, sagte er.

Mit einer Stunde Verspätung setzte der Zug nach dem Zwischenfall schließlich seine Fahrt nach Rostock fort. Der Zugführer hatte im Schwarzenbeker Bahnhof die defekte Bremse kurzerhand außer Betrieb genommen und war weitergefahren.