Wohnungsbrand
 
 

 

05.06.2011 Müllerweg

Dramatische Szenen haben sich am frühen Sonntagmorgen in Schwarzenbek abgespielt: In einem Mehrfamilienhaus im ersten Bauabschnitt des Neubaugebiets am Mühlenkamp stand gegen 6 Uhr aus ungeklärten Gründen eine 2-Zimmer-Wohnung in Flammen. Die Feuerwehr rettete mehrere Bewohner des Hauses am Müllerweg im letzten Moment aus Lebensgefahr und brachte sie in Sicherheit. Der Einsatz dauerte vier Stunden.

 

Gegen 6 Uhr waren nach Polizeiangaben Bewohner des Hauses, in dessen betroffenen Aufgang es elf Wohnungen gibt, durch das laute Piepen von Rauchmeldern aufgeschreckt. Sofort informierten sie über den Notruf die Leitstelle in Bad Oldesloe, die ein Großaufgebot an Feuerwehrleuten und Rettungskräften losschickte. Offenbar hatte sich der Brand längere Zeit unbemerkt entwickelt: Denn in der von dem Feuer betroffenen Wohnung im zweiten Obergeschoss war niemand zuhause, der den Brand hätte bemerken können. So meldeten dann Bewohner aus dem dritten Obergeschoss den Brand, weil der Rauch zuerst in ihre Etage gezogen war. Dort suchten die ersten der insgesamt 60 Feuerwehrleute deshalb zuerst nah dem Feuer, ohne zu diesem Zeitpunkt zu wissen, dass es unter ihnen brannte. „Es war schon im Treppenhaus extrem heiß“, sagte Ulrich Liedtke vom ersten Löschtrupp.

 

„Bei unserem Eintreffen kurz nach dem Alarm machten sich mehrere Menschen an den Fenstern ihrer Wohnungen bemerkbar. Ihnen war der Fluchtweg durch das Treppenhaus bereits aufgrund einer starken Verqualmung abgeschnitten“, erklärte Thorsten Bettin, der Einsatzleiter der Feuerwehr. Parallel zum Löschangriff begann auch die Menschenrettung.

Drei Bewohner aus dem ersten Obergeschoss wurden mit Hilfe von Fluchthauben durch das Treppenhaus gerettet. Mit der Drehleiter wurden aus dem dritten und zweiten Obergeschoss zwei Bewohner bei zwei Touren in Sicherheit gebracht. Auf der Rückseite des Mehrfamilienhauses wurde eine tragbare Leiter angestellt, um von ihr aus einige Dachpfannen aufnehmen zu können. So war es einem Mann, der auf einem Vordach ausharrte, möglich, über die Dachlatten auf einen benachbarten Balkon zu flüchten. Eine andere Leiter, die für die direkte Rettung des Mannes von dem Vordach im dritten Obergeschoss lang genug gewesen wäre, ließ sich wegen der Bauweise des Hauses mit verschiedenen Vorsprüngen und der zugestellten Gärten nicht in Stellung bringen.

 

Mit drei Strahlrohren wurde schließlich der ausgedehnte Wohnungsbrand im zweiten Obergeschoss bekämpft. Nach Einschätzung der Feuerwehr müssen Temperaturen von rund 1000 Grad in der Wohnung geherrscht haben, weil bereits großflächig der Putz von Decken und Wänden abgeplatzt war. „Im Wohnzimmer blieb nichts mehr übrig, da war alles zu Asche verbrannt“, sagte Bettin.

Wo einmal Teppich und Laminat lagen, liegt zerbrochener nasser Putz auf dem Fußboden. Die Wände sind zur Decke hin vom Ruß schwarz gefärbt, nur unten ist noch etwas weiße Farbe zu sehen. Die braunen Holztüren sind nach oben hin verkohlt, die Fensterscheiben der Küche und des Badezimmers von innen trüb beschlagen. Die Wohnzimmerfenster sind geschmolzen, die Scheiben geborsten. Die 2-Zimmer-Wohnung am Müllerweg 20a, die mal der ganze Stolz des darin lebenden Paares war, ist Sonntagmorgen durch ein Feuer völlig verwüstet worden. Im Flur steht noch eine Kommode, darüber ist alles verbrannt. Im Wohnzimmer blieben nach den Löscharbeiten nicht einmal verkohlte Trümmer übrig, so stark war das Feuer.

Wieder einmal waren es die Rauchmelder, die schlimmere Schäden oder gar Opfer des Feuers verhindert haben. Als die kleinen Geräte, die seit Jahresbeginn Pflicht sind, am Sonntag gegen 6 Uhr zu piepen anfingen, wurden die neben der in Brand geratenen Wohnung lebenden Nachbarn wach und auf das Feuer aufmerksam. Sofort schlugen sie Alarm.

Mit acht Fahrzeugen rückten Schwarzenbeks Feuerwehrleute aus, aus Elmenhorst kam später noch Verstärkung mit zwei weiteren Fahrzeugen. Der Rettungsdienst war mit 20 Helfern aus Lanken, Schwarzenbek, Geesthacht, Lauenburg und Büchen im Einsatz.

„Wir hatten 38 Betroffene aus dem Hauseingang, in dem es brannte. Einige davon klagten über leichte Beschwerden aufgrund des Einatmens von Rauchgas“, berichtete Norbert Brackmann. Als Organisatorsicher Leiter koordinierte er den Einsatz des Rettungsdienstes. „Weil man sehen muss, wie sich Rauchvergiftungen entwickeln, hatten wir vorsorglich Kräfte zusammengezogen, um im Notfall reagieren zu können“, sagte Brackmann, der alle Bewohner zusammen mit Notärzten medizinisch gecheckt hatte.

Parallel zur Versorgung der Geretteten lief im Haus der Löscheinsatz.. „Der Brand wütete extrem. Von außen war nicht zu sehen, was die Trupps im Inneren des Hauses leisteten“, sagte Bettin. Schon vom ersten Obergeschoss an war das Treppenhaus verqualmt. Mühsam mussten sich die Feuerwehrleute vortasten. In der Wohnung sahen sie sich dann lodernden Flammen gegenüber.

Andere Feuerwehrleute durchsuchten derweil die Wohnungen nach möglicherweise vermissten Menschen. „Ein Bewohner, dessen Wohnungstür wir vorsorglich aufbrechen mussten, war verreist, aber das stellte sich erst später raus“, sagte Bettin.

Die enge Bebauung im Neubauviertel stellte die Feuerwehr vor massive Probleme. Die Drehleiter konnte zur Menschenrettung nicht optimal aufgestellt werden. „Wir mussten sie rückwärts in ein Gebüsch fahren. Ein Zaun, der darin eingewachsen war, ging dabei zu Bruch“, erklärte Bettin. Und selbst von diesem Standort aus war es ein Wagnis, einen Mann im dritten Obergeschoss durch ein Dachfenster aus seiner völlig verqualmten Wohnung in den Rettungskorb der Drehleiter zu ziehen. Bettin: „Wir werden das Gelände hier im Nachgang zu dem Einsatz noch einmal überprüfen müssen.“

Die Bewohner, die wegen der Schäden durch Feuer, Rauch und Löschwasser fünf Wohnungen in den oberen Etagen nicht wieder beziehen konnten, wurden durch das Ordnungsamt betreut und im Laufe des Tages von Verwandten aufgenommen.

„Die Zusammenarbeit hat gut geklappt“, bilanzierte Bettin. Trotz der dramatischen Ausgangslage waren alle betroffenen noch einmal glimpflich davon gekommen.